Begegnungszone gefährdet Markthändler

Ortsverband "Am Nordpark" für Mehrfachnutzung der Busparkplätze am Domplatz - für den Erhalt der Erfurter (Domplatz-)Marktkultur

Die Erfurter Begegnungszone war in der Karnevalssession 2014/2015 auserkoren, von den Narren vor deren Flinten genommen zu werden. Bekanntlich eignen sich ja politische Grotesken und Absurditäten ausgezeichnet für ein Karnevalsmotto.

Ob nun ein gewisser Starrsinn des zuständigen Beigeordneten oder der beständig zu regenerierende (und bald versenkbare) Poller in der Meister-Ekkehardt-Straße – die Erfurter Karnevalisten werden zum Umzug 2015 ihren Spaß an der Zone haben.

Weniger lustig ist die Situation die Erfurter (Domplatz-)Markthändler.

Meist Gärtnerfachbetriebe, ländliche Fleischereien und Backstuben, die dafür sorgen, dass in Erfurt seit Jahrzehnten eine Marktkultur mit Frischeprodukten aus der Region floriert und die durch Einnahmen aus Standgebühren die Stadtkasse aufbessern.

Ich selbst versorge mich regelmäßig auf dem Wochenmarkt mit Gemüse. Als Stadtratskandidat erlangt man naturgemäß einen erhöhten Bekanntheitsgrad, und so wurde ich von Händlern auf dem Markt gezielt auf die zu erwartenden Probleme angesprochen.

Jüngst erfolgte die Sanierung der Straße „Domplatz“ direkt vor dem Wochenmarkt. Während dieser Zeit (ca. 10 Tage), als „Drive-In“-Kunden den Wochenmarkt nicht anfahren konnten, sanken die Umsätze der Händler um etwa 40%.

In den 10 Tagen hielten das die Händler - notgedrungen - aus. Fällt die Haltemöglichkeit durch die beabsichtigte „Netztrennung“ in diesem Bereich allerdings dauerhaft weg, wird sich ein Umsatzrückgang in dieser Größenordnung manifestieren und wohl nicht wenige Händler zur Aufgabe zwingen. Damit verlöre der Domplatz ein Stück jahrzehntelanger, den Platz belebender und gestaltender Einkaufskultur.

Die Händler sind, wie mir von einer Händlerin versichert wurde, nicht gegen die Teilsperrung in diesem Bereich. Für den jedoch sehr wichtigen „Drive-In“-Verkehr (Ranfahren – kaufen – weg) würde bei einer Sperrung dringend Ersatz benötigt.

Das Parkhaus am Dom ist keine Alternative, wie die Erfahrungen aus der 10-tägigen Sanierung gezeigt haben. Der Parkvorgang in einem Parkhaus dauert zu lange, die „Drive-In“-Kunden blieben in der Sanierungszeit einfach weg.

Da Parkplätze um den Domplatz knapp sind und bei Bebauung der Parkfläche vor dem Fischersand noch knapper werden,

schlägt der Ortsverband „Am Nordpark“ als Lösung die Mehrfachnutzung der Busparkplätze am Domplatz vor. Wird die Straße „Domplatz“ in Höhe Marktstraße bis Kettenstraße in Zukunft gesperrt, sollen die Busparkplätze am Domplatz von 5.00 Uhr – 11.00 Uhr von Kunden des Erfurter Marktes am Domplatz mitgenutzt werden können.

Auf den Busparkplätzen kommen die für Erfurt so wichtigen Tagestouristen an. Das soll und muss so bleiben. Aber: fast alle Busse erreichen Erfurt erst um die Mittagszeit; am Vormittag sind die Busparkplätze kaum genutzt. Der „Drive-In“-Verkehr findet aber in den frühen Morgenstunden und am Vormittag statt, so dass die vorgeschlagene Mehrfachnutzung den knappen Parkraum effektiv ausnutzen würde.

Um dem zweifelsohne drohenden Missbrauch der neu geschaffenen Parkmöglichkeit durch Dauerparker oder Landgerichtsbesucher entgegenzuwirken, sollte die Parkzeit auf 15 min beschränkt werden, ähnlich der sinnvollen Regelung am Rondell am Erfurter Hauptbahnhof (hier 10min zum Abholen von Reisenden).

Für den „Drive-In“-Kunden reicht diese Zeit.

Jörg Orschewsky
Ortsvorsitzender Ortsverband "Am Nordpark"

Markt auf dem Domplatz